
Besuch der Wartburg in Eisenach
Man kann ja im Urlaub nicht immer nur in Sachen Wildlife-Fotografie unterwegs sein und sollte auch mal was für seine Bildung tun und so ging es am Mittwochmorgen mit dem Göttergatten nach Eisenach in Thüringen zur Wartburg.
Die Wartburg ist wohl eine der bekanntesten Burgen Deutschlands, mit der man viele Persönlichkeiten und Allen voran wohl Martin Luther verbindet, der dort vor dem Kaiser und dem Papst versteckt als “Junker Jörg” 10 Monate lang, in den Jahren 1521 und 1522, an der Übersetzung der Bibel arbeitete. Die Burg wurde 1999 als erste Burg Deutschlands zum Unesco Weltkulturerbe ernannt.
Auch bekannt ist Elisabeth von Thüringen (1207-1231). Tochter des Königs Andreas II., die durch ihre Heirat zur Landgräfin von Thüringen wurde. Sie setzte sich ihr Leben lang für die Armen und Kranken ein. 1235 wurde sie von der Katholischen Kirche heilig gesprochen.
Johann W. von Goethe befasste sich auch näher mit der Wartburg und wirkte immer wieder dort.
Der Aufstieg vom Parkplatz zur Burg ist zwar nur ca. 650 Meter lang, es geht aber stetig und zum Schluss auch etwas steiler, bergauf. Meine Knie spüre ich Dank Arthrose heute noch.
Ludwig der Springer (Graf Ludwig von Schauenburg, 1042 bis 1123) gilt als Erbauer der Wartburg. Er und seine Nachkommen bildeten die Landgrafen von Thüringen.
Die Burg veränderte im Laufe der Zeit immer mehr ihr Erscheinungsbild.
So wurde 1838 der Großherzoglich Sachsen-Weimar-Eisenachische Baurat Johann Wilhelm Sältzer mit der Untersuchung der Überreste der Wartburg beauftragt. Er legte sehr originelle und phantasievolle, von einer Burgenromantik geprägten Neubaupläne für die Burg vor.
1853 wurde schließlich mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Burganlage wurde um neue Gebäude ergänzt und die Innenräume so gestaltet, wie man sich die frühere Zeit zu diesem Zeitpunkt so vorstellte. Nämlich wesentlich romantischer als diese damals tatsächlich war.
Aber jetzt lasse ich erst einmal Bilder sprechen, die ich natürlich auch gemacht habe.
Zunächst ein paar landschaftliche Eindrücke, die man vom Gelände der Burg bekommt.
Und nun hinein in das Innere der Anlage mit Vorburg und Hauptburg.
Und dann ging es im Rahmen einer Führung in das Hauptgebäude (der Palas (heißt wirklich so und ist richtig geschrieben) / das Landgrafenhaus), das aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammt und in wesentlichen Teilen erhalten blieb. Es wurde 1847 bis 1870 auf Veranlassung von Großherzog Carl Alexander (Sachsen-Weimar-Eisenach) in umfassender Weise durch den Gießener Architekten Hugo von Ritgen restauriert. Auch hier wieder sehr romantisiert.
Durch die ehemalige Rüstkammer und auch Pferdeställe ging es zuerst in den sogenannten Rittersaal, den man sich anhand von diversen Filmen irgendwie anders vorgestellt hat. Er ist ein fast quadratischer Raum, der geschätzt vielleicht 70 Quadratmeter misst und der seinen Namen dadurch erhielt, dass man annahm, dass sich hier vorwiegend die Männer der Burg aufhielten.
Von dort ging es weiter in die Kemenate von Elisabeth von Thüringen (Landgräfin von Thüringen und Prinzessin von Ungarn und spätere Heilige), die von 1902 bis 1906 auf Veranlassung und Kosten von Wilhelm II., dem letzten deutschen Kaiser, vollständig mit Glasmosaiken ausgestaltet wurde.
Die Mosaiken zeigen das Leben und Wirken von Elisabeth mit ihrem Ehegatten und deren Abstammung.
Von dort geht es in die ehemalige Kapelle der Wartburg.
Sie ist lediglich ein in der Wartburg um 1270 eingebauter Sakralraum, der noch Reste originaler Wandmalerein zeigt. Ansonsten wirkt der Raum mit seiner kleinen Orgel, einigen Stuhlreihen und einer kleinen ebenerdigen Predigerkanzel (so würde ich sie mal bezeichnen) eher modern. Der Sage nach soll Martin Luther hier gepredigt haben. Es gibt allerdings keine Belege hierfür, wie uns unser kompetenter Führer mitteilt und ist somit eher unwahrscheinlich. Ab und an wird der Raum auch heute noch für Gottesdienste der Evangelisch-Lutherischen Kirche genutzt.
Weiter gehts in den Sängersaal.
Nach einer berühmten literarischen Sage aus dem 13. Jahrhundert gab es am Hof des Landgrafen von Thüringen (Hermann I.) einen Dichterwettstreit (Sängerkrieg), an der historische Minnesänger wie Walther von der Vogelweide teilnahmen.
Der Sängerkrieg ist aber eine immer weiter gewachsene Sammlung von mittelhochdeutschen Sangspruchgedichten des 13. Jahrhunderts, um eben diesen angeblichen Dichterwettstreit auf der Wartburg. Sie gilt als bedeutendstes Zeugnis thüringischer Spruchdichtung.
Vom Sängersaal geht es weiter in den großen Festsaal, der 40 Meter Länge misst und später auf das darunter befindliche gesamte Palas-Gebäude aufgesetzt wurde. Er ist der größte und prachvollste Raum im Palas. Er wird heute für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt.
Vom Festsaal habe ich leider kein Foto für euch. Irgendwie hat der Raum mich nicht so angesprochen, wie er das vielleicht hätte müssen. Es wären aber auch immer irgendwie Menschen mit im Bild gewesen.
Im Festsaal endete dann auch die offizielle ca. einstündige Führung. Von dort geht es für uns allerdings weiter in das kleine Museum der Wartburg, in der allerlei kleinere Exponate wie historische Essbestecke, ein Spiel, eine Ritterrüstung sowie Bilder und anderes ausgestellt sind. Zu dem Zeitpunkt hatte meine Konzentrationsfähigkeit aber schon reichlich abgenommen und so sind wir da mehr oder weniger schnell durchgeschlendert. Ich bin so ein Mensch, der zu ausgestellten Exponaten einen Erklärbär braucht und was zu den Stücken erzählt. Sich einfach Dinge hinter Vitrinen anzusehen, die mit einem kleinen Schild versehen sind, sind einfach nicht so meins. Ein Grund, warum ich noch nicht so viele Museen von Innen gesehen habe. Und die, die ich besucht habe, waren Pflichtbesuche mit der Schule damals.
Vom Museum geht es schließlich durch den Margarethengang bis zur Vogtei, wo sich die Lutherstube befindet, in der Martin Luther damals einen Teil des Neuen Testaments der Bibel übersetzte.
Der Rundgang endet danach schließlich im Shop der Wartburg.
Aber hier nun ein paar Bilder mit Text zu den obigen Ausführungen.
Ich hätte euch von der Führung gerne noch viel mehr Bilder gezeigt. Gerade auch die gesamtheitliche Kemenate von Elisabeth von Thürungen. Aber dafür waren einfach zu viele Führungsteilnehmer dabei und die nächste Führung folgte uns dicht auf dem Fuße.
Ich hab schon immer versucht, als Letzte einen Raum zu verlassen, um noch ein Bild machen zu können, aber immer wenn der Letzte unserer Führung den Raum verlassen hatte, betraten ihn schon die Nächsten.
Um die Räume zum Fotografieren etwas mehr für sich zu haben, sollte man wahrscheinlich eher auf eine offizielle Führung verzichten und mit Audio-Guide selbständig durch die Räume flanieren. Wie gut und informativ der Audio-Guide ist, kann ich natürlich nicht sagen. So eine offizielle Führung ist ja im Normalfall etwas lockerer und man kann Fragen stellen.
Die Führung hat mir persönlich sehr gefallen. Neben Infos zur Burg und seinen Bewohnern haben wir auch gelernt, dass so einige bekannte Sprichwörter und Aussprüche, die wir heute kennen, auf Martin Luther zurückgehen, was ich bislang nicht wusste.
Hier mal ein paar davon:
Der Geist ist stark, aber das Fleisch ist schwach.
Hunde, die bellen, beißen nicht.
Gut Ding, will Weile haben.
Stille Wasser sind tief.
Ein Herz und eine Seele.
Das passt wie die Faust aufs Auge.
etc. etc.
Mit einem kurzen Zwischenstopp am von der Wartburg 17 km entfernten “Mittelpunkt Deutschlands” auf Wunsch des Göttergatten (ist jetzt nicht spektakulär, ein Stein, ein Hinweisschild, ein Bäumchen … deshalb hab ich mir ein Foto gespart) ging es dann schließlich gegen 16:00 Uhr auf den Heimweg.
Zu Hause waren wir schließlich gegen 19:30 Uhr. Es war ein schöner, wenn auch ermüdender Tag.
7 Stunden im Auto sitzen können ganz schon anstrengend sein, denn Thüringen ist von uns aus nicht mal eben um die Ecke (330 km einfache Strecke). Lieben Dank an den Göttergatten, der beide Strecken gefahren ist ! Aber im Urlaub kann man das mal machen. Und unser Sommerurlaub, Teil 2, ist damit nun leider auch beendet. Die letzten 3 Wochen sind wie im Flug vergangen und Montag heißt es wieder “arbeiten”.
Euch wünsche ich nun ein wunderschönes Wochenende.
Eure
Frauke













































