– eine fotografierende Rheinländerin im Vorgebirge –
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Orienauten-Melderchen

Vielen Dank für eure große Anteilnahme an Yuris Gang über die Regenbogenbrücke. 

Hier und im gesamten Netz und auch persönlich habe ich viel Zuspruch erhalten und das tut unheimlich gut. :herz:  

Es kam jetzt doch überraschend schnell für uns und auch für unsere Tierärztin. Sie war auch nicht davon ausgegangen, dass es dann doch jetzt so schnell ging.

 

Nachdem Yuri in der letzten Zeit wieder etwas mehr gefressen hatte, wenn auch immer noch nicht viel, stellte er Mittwoch das Fressen dann ganz ein. Nur ein paar Leckerchen frass er abends noch.

Der Wassernapf mutierte dafür immer mehr zu seinem besten Freund. Neben trinken saß er öfter auch einfach mal daneben und starrte in den Napf.

Beim großen Blutbild hatte sich auch heraus gestellt, dass sich seine rote Blutkörperchen nicht mehr reproduziert haben und so litt er auch an einer Anämie, die im Laufe der Zeit immer mehr zu Schwäche geführt hätte und sich zum Schluss sogar auf seine Atmung negativ ausgewirkt hätte.

Er begann in den letzten Tagen damit, öfter mit den Hinterbeinen einzuknicken und konnte sich sichtlich schlechter auf den Hinterbeinen halten.

Richtig kuscheln wollte er die letzten Tage auch nicht mehr und schlief viel, wenn er sich nicht gerade am Wassernapf befand. Der Weg zum Napf wurde nur noch mit lautem Miauen absolviert, als ob ihm dies Schmerzen bereiten würde und so haben wir uns schließlich Samstagmorgen die Frage gestellt, ob und wann der richtige Zeitpunkt da ist, an dem man erkennen muss, dass man Yuri nicht mehr helfen kann und ihn erlösen sollte.

Auf Wunsch rief uns mittags die Vertretung unserer Tierärztin zurück, die leider das ganze Wochenende außer Reichweite war. Aber auch die Vertretung hatte Yuri in den letzten Wochen schon gesehen und nach einer Schilderung unsererseits zur aktuellen Lage und dem was sie aus Yuris Akte aus den letzten Wochen entnehmen konnte, bat sie uns darum, zu überlegen, ob das Leben, das Yuri mittlerweile führe, wirklich für ihn noch schön sei.

Wir würden ihn am besten kennen und wir sollten da ganz auf unser Bauchgefühl hören und da war uns bereits klar, dass dies zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr der Fall war und so machten wir eigentlich für Montagmorgen einen Termin vor der Sprechstunde aus, um ihn dann zu erlösen und uns über das Wochenende noch richtig von ihm verabschieden zu können.

Im Laufe der nächsten Stunden machte Yuri dann einen immer elendigeren Eindruck. Er saß vor dem Wassernapf, miaute laut, trank und ein Teil des Wassers lief einfach wieder aus seinem Mund, als ob er gar nicht mehr richtig schlucken würde. Als ich dazu kam, schaute er mich mit einem Blick an, der einfach nur sagte „hilf mir doch“. Diesen Blick werde ich im Leben nicht mehr vergessen. An Yuris Blick konnte man immer ablesen, wie er gerade gestimmt war … er war ein Meister der Mimik.

Wir haben uns dann mit ihm auf das Bett gelegt, was er immer geliebt hat und er legte sich dann einfach ziemlich unbeholfen in unsere Arme, die Augen mehr gelblich als grün und mit langsam vorgezogenen Nickhäuten. Und auf einmal wusste ich zu 100 %, dass es ihm bereits richtig schlecht ging und wir nicht bis Montag warten sollten.

Unsere Tierärztin war Gott sei Dank über ihre Handynummer erreichbar und wir schilderten ihr den Verlauf des Morgens und das Gespräch mit ihrer Vertretung und sie sagte uns, dass sie nach unserer Schilderung auch nicht mehr bis Montag warten würde.

Ihre Vertretung ist leider tatsächlich nur als Vertretung für die normalen Öffnungszeiten und einige Stunden in der Woche gedacht und so haben wir dann schließlich auf dem Notfallhandy der Tierarztpraxis angerufen, die wir in Urlaubszeiten unserer tatsächlichen Tierärztin aufsuchen, wenn etwas sein sollte.

Der Dienst habende Arzt machte dann einen Termin mit uns für 17.30 Uhr aus und so fuhren wir schließlich knapp 1 Stunde nach dem Telefonat mit unserer Tierärztin zur Vertretungspraxis.

Dank Adrenalin, weil Yuri in der letzten Zeit unheimliche Angst vor dem Tierarztbesuch hatte, war Yuri vor Ort weit entfernt davon, schwächlich zu wirken und so machte ich mir schon Gedanken, ob der Arzt ihn ohne seine Vorgeschichte zu kennen, einschläfern würde.

Er ließ sich dann von mir die letzten Wochen und vor allem den aktuellen Tag schildern und guckte Yuri dann schließlich in den Mund und das erste was er sagte war „oh, ich sehe schon“.

Was wir nicht wussten und der Tierarzt uns dann erklärte war, dass der Harnstoff ab einem bestimmten Punkt des Nierenversagens über das Zahnfleisch abgesondert wird, was sehr unangenehm sei und das war bei Yuri schon der Fall.

Er gab uns dann auch gleich zu verstehen, dass er auch ohne ihn zu kennen, absolut bei uns sei, Yuri zu diesem Zeitpunkt zu erlösen und so bekam er dann schließlich ein überdosiertes Schlafmittel und schlief langsam ein, bis die Atmung abflachte und irgendwann aufhörte, während ich ihn die ganze Zeit streichelte und ruhig mit ihm sprach.

Ich habe mich so zusammen gerissen und bin selbst erstaunt, dass ich es immer schaffe, in diesen Zeitpunkten so ruhig zu sein, denn alles andere wäre nicht wirklich zuträglich für das Tier. Aber nach dem letzten Atemzug brach ich dann in Tränen aus.

Trotz 3 verschiedenen Tierärzten, mit denen ich an diesem Tag sprach und die uns zu diesem Schritt geraten haben, fühle ich mich doch schuldig, denn ich habe die Entscheidung getroffen, sein Leben zu beenden.

Das ist mir bei Leah und Linus nicht halb so schwer gefallen, die ja auch sichtlich gelitten haben.

Aber bei Yuri ist es anders. Ich habe unsere besondere Beziehung beendet. Er war mein Seelenverwandter und ich habe diese Verbindung aufgelöst. Ich fühle mich mega schlecht deswegen, auch wenn ich weiß, dass es für ihn das Beste war. 

Ich hoffe so sehr, dass er nicht böse auf mich ist, dort wo er ist und dass er all seine Freunde wieder getroffen hat, die ihm voraus gegangen sind.

Die best Buddys sind jetzt hoffentlich wieder vereint. 

 

Ich vermisse euch so … :heul:  

 

 

 

5 Antworten auf Orienauten-Melderchen

  • Ich konnte hier nun lesen, was ich seit dem letzten Post überlegt habe.
    Ich sitze hier grad heulend…
    Es tut mir so leid, aber es musste sein.
    Er sollte doch nicht leiden.
    Gebe dich deiner Trauer hin, denke an die vielen schönen Jahre.
    Ich verstehe dich gut. Du hast jedoch richtig gehandelt.
    Dein Liebling wird es dir wo auch immer danken ♥
    Ich denke an euch…
    ♥-lichst, k
    schnief

    • Liebe k,
      ich wollte dich nicht auch noch zum Heulen bringen.
      Ja, ich gebe mich meiner Trauer hin. Ich bin sehr gut im Verdrängen, aber das möchte ich nicht … dann dauert alles umso länger.
      LG Frauke

    • Da kannst du doch nicht für. Nein, ich war einfach traurig und als ich den Bericht las, wo ich mir ja eh Gedanken gemacht hatte, liefen einfach die Tränen um diesen süssen Schatz.
      Es kam auch ein Vergleich zu meinem Katzenkind auf, der inzwischen auch schon 16 Jahre ist und auch nicht mehr fit ist. Viel morgens bricht … Ich behalte das im Auge. Ich denke auch darüber nach, ob nach diesem Katzenkind, mein Baby, noch eine weitere Katze bei uns einziehen könnte. Immerhin sind das übern Daumen noch mal 20 Jahre und in absehbarer Zeit werde ich alleine sein. Was mache ich wenn ich mal ins KKH muss?
      Alles Fragen die man beantworten muss bevor ich ein neues Tier in mein Herz schliesse.
      Ich wünsche dir viel Kraft ♥
      k

      • Liebe k,
        bei vor allem morgentlichem Erbrechen kann es sich um die bei älteren Katzen oft vorkommende Schilddrüsenüberfunktion handeln. Sie ist über ein Blutbild bestimmbar und kann gut mit einer Tablette täglich über Jahre im Griff gehalten werden. Der letzte Kater meiner Oma hatte das auch und hat nach der Diagnose noch Jahre gelebt und ist auch nicht daran gestorben. :-)
        Vielleicht ist deinem Katzenkind hier schon gut und einfach zu helfen. :-)
        Ja, eine weitere Katze … das will gut überlegt sein. Vor allem, wenn man alleine ist. Aber ich hoffe ja, dass du noch lange von deinem Doktor haben wirst.
        Wir sind im Moment und schon länger auf dem Standpunkt, dass es auch unsere letzten Katzen sein werden, die jetzt hier noch leben.
        Wir haben uns die letzten fast 18 Jahre sehr nach unseren Katzen richten müssen und die letzten Jahre war kein gemeinsamer Urlaub mehr drin, weil die Senioren ja zweimal täglich Medikamente bekommen müssen und das lassen sie bzw. jetzt nur noch Nino sich nicht von anderen Leuten gefallen. Das heißt … einer von uns muss immer da sein.
        Wenn, dann wird es irgendwann mal wieder vielleicht ein Hund werden, wenn wir Eigentum haben … aber das steht noch in den Sternen.
        An deiner Stelle würde ich wahrscheinlich über ein schon älteres Tier nachdenken, wenn du nochmal die Entscheidung für eine Katze treffen willst. Für einen Krankenhausaufenthalt müsstest du natürlich einen haben, der täglich nach der Katze schaut oder sie vielleicht übergangsweise aufnimmt … gibt ja auch Katzensitter, die nichts anderes machen.
        Ich wünsche dir, dass dir die richtige Eingebung kommt.
        LG Frauke

  • ….jetzt sitze ich hier bin fassungslos und traurig …
    Ich weiß , dass Worte nicht trösten können – und weiß einfach nicht was ich schreiben soll.
    Es tut mir so leid.
    Fühlt euch tröstend umarmt
    LG
    Uschi

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