Wenig Heide, viele Pferde

Meinen samstäglichen Besuch in der Westruper Heide hatte ich mir ganz anders vorgestellt.

Ausgemalt hatte ich mir einen wunderschönen Sonnenaufgang und Nebel … die Voraussetzungen waren dafür wettertechnisch eigentlich ideal und so habe ich mich am ganz frühen Samstagmorgen um halb 4 aus dem Bett gequält, damit ich um halb 5 Richtung Münsterland aufbrechen konnte.

Ich wollte um 6 Uhr vor Ort sein, um den Sonnenaufgang dort miterleben zu können.

Da ich die Westruper Heide bis dato nur von Bildern kannte, hatte ich mir vorher den Standpunkt der aufgehenden Sonne angesehen und mir per Karte einen geeigneten Standort in der Heide ausgesucht.

So richtig wohl ist mir nie dabei, wenn ich ganz alleine vor Sonnenaufgang irgendwo durch die Pampa laufen möchte, wenn ich mich dort nicht auskenne. Und mit diesem Gefühl hatte ich auch das Haus verlassen.

Dieses kleine doofe Gefühl hätte ich mir aber sparen können. Wer ahnt denn schon, dass da morgens um 6 Uhr, fast noch stockdunkel, bereits schon ca. 20 Autos auf dem Wanderparkplatz stehen und emsiges Treiben herrscht.

Also ich war in dem Augenblick Vieles, aber ganz sicher nicht allein.
Da wäre mir allein dann doch wesentlich lieber gewesen als dieser Menschenauflauf.

Massenhaft Naturfotografen bevölkerten die Heide und hofften mit mir auf den ersehnten Nebel und einen schönen Sonnenaufgang und beides wollte sich leider partout nicht einstellen.

Es hing zwar etwas Feuchtigkeit in der Luft, aber der ersehnte Bodennebel blieb aus und dagegen verhinderte dicker Hochnebel auch nur annähernd das Durchkommen der Sonne.

So hab ich die Zeit in der Heide damit verbracht, mir Spots für ein eventuelles nächstes Mal auszugucken. Natürlich habe ich auch einige Male auf den Auslöser meiner Kamera gedrückt, aber wirklich begeistern konnte mich keins der gemachten Bilder und so zeige ich euch oben auch nur ein einziges.

Im Laufe des Morgens kam dann auch schließlich Wind auf, sodass ich froh war, dass die Zeit bis halb 10 dann doch recht schnell herum gegangen war.

Um halb 10 wollte ich nämlich mein nächstes Ziel an diesem Tag ansteuern, was nur 25 km weiter weg lag und das ich sowieso schon längst mal besucht haben wollte. Und wenn man schon mal so weit gefahren ist, dann macht es natürlich Sinn, mehrere Ziele miteinander zu verbinden.

Weiter ging es zu den Dülmener Wildpferden in den Merfelder Bruch.

Auf die Idee hatte mich Britta (Link zu Facebook) gebracht, die vor 2 Wochen die beiden Ziele schon miteinander verbunden hatte.

Im Merfelder Bruch, ca. 12 km von Dülmen entfernt, leben seit ewigen Zeiten Wildpferde, die im Jahr 1316 das erste Mal urkundlich erwähnt wurden.

Früher standen ihnen mehrere tausend Hektar Land zur Verfügung, die jedoch im Laufe der Besiedelung und Übergang in Eigentum und Trockenlegung von Feuchtgebieten immer weniger wurden.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde für die bis dahin auf 20 Tiere geschrumpfte Herde durch die Familie Herzog von Croÿ ein ca. 360 Hektar „großes“ Reservat geschaffen, wo sie bis heute lebt und in dessen Besitz sie auch immer noch ist.

Mittlerweile ist die Herde wieder auf rund 400 Tiere angewachsen und ist die einzige noch existierende Wildpferdeherde auf dem europäischen Kontinent.

Die Herde ist vollkommen sich selbst überlassen. Einen Tierarzt kennen sie nicht. Hier herrschen die harten Gesetze der Natur.

Lediglich in harten Wintermonaten wird ihnen an verschiedenen Futterstellen Heu angeboten.

Die Herde besteht ausschließlich aus Stuten und Fohlen, die wiederum aus kleineren Familienverbänden besteht.

Einmal jährlich wird ein Hengst für einen Monat zur Herde gesellt, um für Nachwuchs sorgen zu können.

Auch einmal jährlich werden die einjährigen Hengstfohlen nach Zusammentrieb der Herde entnommen, um Rivalitäten zu vermeiden und werden verkauft.

Die Bilder dieses Zusammentriebs hat wahrscheinlich jeder schon einmal im Fernsehen gesehen.

Dieses Zusammentreiben ist das einzige Mal im Jahr, bei dem die Tiere wirklichen Kontakt zum Menschen haben.

Ein bisschen mehr Infos zu den Pferden gibt es auf der Homepage der Wildpferde.

So, jetzt aber endlich ein paar Bilder.

Mehr oder minder döste die Herde die ganze Zeit herum.

Aufregung kam für kurze Zeit allerdings in die Herde, als 3 Stück Damwild sich auf das Areal verirrt hatten und in Panik gerieten, als sie merkten, dass in ihrer Laufrichtung plötzlich diverse Menschen standen.

Hierdurch gerieten auch Teile der Herde plötzlich in Unruhe, die sich aber auch schnell wieder legte, als das Wild wieder dort verschwand, wo es hergekommen war.

Alles in allem fand ich den Besuch jetzt „nett“ aber mehr auch nicht.

Nachdem ich den Bericht über die Pferde auf der dazugehörigen Homepage gelesen hatte, hatte ich mir ihren Lebensraum irgendwie anders vorgestellt.

Halt einen großen zusammenhängenden Lebensraum aus Wiese und Wald und ggf. vielleicht noch Moor.

Vorgefunden habe ich eine große Wiesenfläche innerhalb des Merfelder Bruchs, die in 3 Areale unterteilt war und auf einem davon stand die gesamte Herde herum. Teilweise waren die Wiesenflächen durch Baumreihen zusätzlich begrenzt, aber so richtig bewaldet war da auf den Flächen nix.

Aber vielleicht hab ich auch einfach nicht alles gesehen. Mag auch sein.

Als Pferdeliebhaber schätzt man dort wahrscheinlich eher das Beobachten der Herde und ihr Zusammenspiel.

Als Naturfotografin hat man eher romantische Landschaften mit Pferden vor dem geistigen Auge, die man dann halt so nicht antrifft wie vorgestellt.

Euch wünsche ich nun einen schönen Donnerstag.

Eure
Frauke

4 Kommentare

  1. Das mit der Westruper Heide und dem fehlenden Sonnenaufgang war echt schade. Ich finde das Foto, welches du gemacht hast dennoch unheimlich schön.
    Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass man NIE irgendwo alleine ist. Das hat seine Vor- und Nachteile! Ein Grund aber, weshalb ich mich öfters mal alleine auf den Weg begebe…..irgendjemand ist immer da.

    Die Fotos von den Wildpferden sind wunderschön geworden!!!! Du hast sie wenigstens einmal in Aktion sehen können. Bei meinem Besuch hatte ich Angst, dass sie im Schlafen umkippen. :green: Auch ich hatte mir das Areal anders vorgestellt. Da hätte man eigentlich gleich zur nächsten Pferdewiese gehen können, gelle? Ich fand die Zottels allerdings sehr fotogen und würde vielleicht sogar nochmal hinfahren – vielleicht sogar wieder in Kombination mit der Westruper Heide.

    Ein schönes Wochenende dir! :herz:

    • Huhu liebe Britta,

      stimmt, meist ist jemand da. :-)

      Und mit den Pferden … also wenn das Damwild nicht gewesen wäre, hätten die auch nur rumgestanden. Hin und wieder hat sich mal eines kurz gewälzt und das war es auch schon.

      Und mit der Pferdewiese hast du recht. Da brauch ich nur bei uns aus dem Dorf hinausgehen. Wir haben so viele Pferde und Koppeln bei uns. Da sehe ich nix anderes. ;-)

      LG und dir auch ein schönes Wochenende.

  2. Hi Frauke!
    Schöne Bilder von den Pferden. Ich finde Naturfotografie wirklich faszinierend, auch wenn ich’s net wirklich kann *grins*. Aber Deine Bilder begeistern mich dafür immer wieder aufs Neue! Es muss echt toll sein, wenn man sich seinem Hobby so zeitintensiv widmen kann. Ich wünschte, ich hätte für mein Hobby auch so viel Zeit übrig. Aber ich bin Mutter, Hausfrau, Taxifahrerin, Therapeutin, Köchin, Bäckerin, Helferin in der Not, Katzenpersonal, Büglerin, Wäscherin, Putzfrau und und und *bäääähhh* Im Moment hab‘ ich die Faxen und würd‘ gern‘ mal von morgens bis abends raus, mal nix sehen, nix hören und von nix wissen. Schade, dass das nicht möglich ist. Aber es wird auch wieder Tage geben, an denen ich klarer sehe. War in letzter Zeit alles e bissel viel, kam Vieles auf einmal. Meine aktuell, mir würde die Decke auf’n Kopf fallen! Kennst das bestimmt auch!?

    LG
    Sandra!

    • Huhu Sandra,

      Übung macht den Meister … weißt du doch ! :-)

      Aber man muss wirklich viel Zeit investieren, um es richtig gut betreiben zu können. Die fehlt auch mir.

      Aber als Mutter ist man ja noch mal ganz anders eingespannt. Deshalb will ich mich nicht über fehlende Zeit beklagen. ;-)

      LG Frauke

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