Nächtliche Eifel

Bislang war ich für Aufnahmen der Milchstraße immer in den unterschiedlichsten Teilen der Eifel unterwegs, weil dort der Lichtsmog so gering ist und somit die Aussicht auf Erfolg, das galaktische Zentrum der Milchstraße auch mit bloßem Auge gut erkennen zu können, recht hoch ist … sofern das Wetter mitspielt.

Durch etwas unglückliche Umstände kam es Freitag jedoch „noch“ nicht dazu und so probierten Helmut und ich unser Glück zunächst im Bergischen Land. Laut diverser Apps, die für solche nächtliche Unternehmungen sehr hilfreich sind, stand das galaktische Zentrum der Milchstraße an diesem Abend wunderschön hinter dem Altenberger Dom.

Dass die Milchstraße dort nicht mit bloßem Auge erkennbar sein würde, war mir vorher schon klar, aber ich hatte zumindest die Hoffnung, sie mit der Kamera sichtbar machen zu können … weit gefehlt !

Irgendwie hatte ich nicht bedacht, dass in Fotografierrichtung (wenn auch weiter weg) Köln und Leverkusen liegen und das reichte ohne Probleme aus, soviel Lichtsmog in dieser Richtung zu haben, dass keine Chance auf ein Bild mit Milchstraße hinter dem Dom bestanden hat.

Ja, war eine Erfahrung wert und beim nächsten Mal werde ich besser recherchieren, sollte ich mich für Astrofotografie außerhalb der Eifel bewegen wollen.

Nun denn … der gestrige Tag sollte ja auch noch eine Nacht haben und so bin ich mit Helmut und Dirk (Link zu Facebook) dann gestern in der Eifel gewesen.

Nach längerer Zeit war noch einmal Wollseifen unser Ziel, ein ehemaliger Ort auf der heutigen Dreiborner Hochfläche in der Nähe der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang.

Dort gibt es sehr viel Rotwild und da gerade Brunftzeit ist, hatten wir letzte Nacht auch wunderbare röhrende Untermalung bei unseren fotografischen Aktivitäten.

Auch letztes oder vorletztes Jahr war ich schon einmal zur Brunftzeit dort und das röhrende Rotwild kam uns dabei ziemlich nahe. In der letzten Nacht war das Röhren dann doch ein Stück weiter entfernt.

Leider zogen am späteren Abend immer mehr Wolken auf und verdeckten die Milchstraße schließlich gänzlich. Auch gestern war das galaktische Zentrum der Milchstraße nicht mit bloßem Auge zu erkennen, aber die Langzeitbelichtung der Kamera und hinterher noch ein wenig Bearbeitung machen es ja möglich.

Da ich die Geschichte von Wollseifen sehr interessant finde, kommen hier noch einige Infos für Euch.

Das Dorf wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch die britische Armee geräumt, um einen Truppenübungsplatz anzulegen, der dann 1950 an das belgische Militär übergeben wurde, das auf dem Gelände Kulissenhäuser für den Häuserkampf erbaute, von denen heute noch einige erhalten sind (siehe obiges Bild).

Hier ein sehr interessanter Auszug (wie ich finde) aus Wikipedia:

Die Räumung zum 1. September 1946 und nachfolgende Zerstörung

Am 13. August 1946 forderte die britische Militärverwaltung die etwa 120 Familien des Ortes Wollseifen (ca. 500 Einwohner, Teil der Gemeinde Dreiborn) auf, das Dorf innerhalb von drei Wochen zu räumen, denn die Briten wollten das Gelände für einen Truppenübungsplatz nutzen.

Die Aufforderung löste Bestürzung bei der unvorbereiteten Bevölkerung aus, die geglaubt hatte, nach Rückkehr aus dem Kriege und aus dem Exil durch notdürftigen Wiederaufbau ihrer Häuser und erste Bestellung ihrer Felder aus dem Gröbsten heraus zu sein. Die Menschen verloren dadurch nicht nur ihre Wohnung, sondern auch ihren Arbeitsplatz, da sie von der Landwirtschaft lebten.

Am 1. September 1946 wurde Wollseifen von den Briten zum Sperrgebiet erklärt. Die Getreideernte konnten die Bewohner vorher noch einbringen; für die Kartoffelernte erhielten sie an einem Wochenende im Oktober noch eine gesonderte Zutrittsgenehmigung.

Die Wollseifener wurden zunächst in Notunterkünfte der umliegenden Ortschaften (EinruhrHerhahnGemündSchleiden u. a.) verbracht oder kamen bei Verwandten und Bekannten in der Nähe unter. Sie ließen die Schlüssel in den Haustüren stecken, da sie mit einer baldigen Rückkehr rechneten und Schäden an den Bauernhöfen vermeiden wollten. Zunächst kehrten sie häufiger entgegen der Sperrung durch die Briten in ihre Häuser zurück. Die Briten nutzen auf den Truppenübungsplatz die Häuser jedoch als Ziele für Schießübungen. Durch die Schießübungen und Brände wurden in der Folgezeit die verlassenen Bauernhöfe nach und nach zerstört und später mit Ausnahme des unzerstört gebliebenen Trafohäuschens und der Ruinen der Kirche, des ehemaligen Schulgebäudes und einer am Dorfrand liegenden Kapelle abgetragen. Dies vernichtete die Hoffnung der Wollseifener auf eine Rückkehr in ihr Dorf, das den Krieg überstanden hatte.

Die Kirche brannte 1947 aus, wodurch die gesamte Innenausstattung verloren ging.

Drei Jahre später, 1950, erhielten die Wollseifener von der Schleidener Kreisverwaltung nur teilweise Flüchtlingsstatus im Sinne des Flüchtlingssiedlungsgesetzes vom 10. August 1949. Ebenfalls 1950 übergaben die Briten den Truppenübungsplatz den belgischen Streitkräften. Einmal jährlich zu Allerseelen durften die Wollseifener mit Genehmigung der belgischen Militärverwaltung die Gräber ihrer Angehörigen besuchen.

Im Jahr 1954 wurde Wollseifen dann zweimal wöchentlich, vom etwa 23 km entfernten belgischen Truppenübungsplatz Elsenborn aus, mit Artillerie beschossen, wobei die Kirche und der Friedhof so stark zerstört wurden, dass die Gräber nicht mehr gepflegt werden konnten und die Toten 1955 auf die Friedhöfe der umliegenden neuen Wohnorte der ehemaligen Bewohner umgebettet wurden.

Als nach 1955 fest stand, dass der Truppenübungsplatz eine Dauereinrichtung und eine Rückkehr der Wollseifener in ihre Heimat nicht möglich sein würde, begann die Bundesvermögensverwaltung das Grundvermögen aufzukaufen. Gestritten wurde um den Preis; viele Eigentümer fühlten sich benachteiligt. 1962 gründeten die nunmehr verstreut lebenden Dorfbewohner den Traditionsverein Wollseifen, der ihre Interessen auf Reparationszahlungen gegenüber dem Bund vertrat. Nachdem 1975 diese Forderungen vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zurückgewiesen worden waren, verlegte der Verein seine Aktivitäten auf Geschichtsschreibung, Mundartdichtung und Traditionspflege (Seniorentreffen, Totenehrung, Patronatsfest des Hl. Rochus am 17. August). Die Mitgliederzahlen des Vereins sind durch Zeitablauf bedingt rückläufig. Die Nachfahren der evakuierten Wollseifener haben ihr Leben anderweitig eingerichtet.“

Quelle: Wikipedia

Letztendlich wurde das Dorf bzw. das was davon noch übrig war zum 01. Januar 2006 von den Belgiern als Truppenübungsplatz aufgegeben.

Wer noch mehr Infos dazu haben möchte, der guckt sich am besten den gesamten Artikel bei Wikipedia dazu an. :-)

Gegen kurz vor Mitternacht sind wir dann schließlich wieder Richtung Auto aufgebrochen. Für die knapp 2 km mitten durch die offene Eifellandschaft bis zum Parkplatz braucht man mit dem gesamten Fotogeraffel wohl ungefähr 30 Minuten, die sich gerade auf dem Rückweg ganz schön ziehen, wenn man durchgefroren und müde ist und das Bett schon hören ruft. ;-)

Heute Morgen habe ich dann entsprechend auch mal wieder etwas länger geschlafen und bin erst gegen halb 9 aus dem Bettchen gestiegen und es ist heute ein recht chilliger Tag geplant.

Euch da Draußen wünsche ich jetzt noch einen schönen Sonntag und eine ruhige nächste Woche.

Eure
Frauke

2+

4 Kommentare

  1. Hallöchen,
    dass ist ja doof wenn die Wolken sich davor geschoben haben.
    Aber das Erlebnis mit den röhrenden Hirschen wie letztes Jahr, hätte ich auch gerne noch mal erlebt.
    Solche Natur Schau/ hörspiele bekommt man nicht oft geboten!

    Die Eifel ist schon schön :love:

    Liebe Grüße
    Andy

    • Hi Andreas,
      ja, war nicht so optimal. Freitag wäre besser gewesen.
      Vielleicht hab ich beim nächsten Mal ja wieder mehr Glück.
      VG Frauke

  2. Hallo Frauke,

    das war eine schöne Tour. Dort war ich ja auch schon länger nicht mehr. Und auch wenn es mit der Milchstraße nicht so toll war hat es dennoch wieder viel Spaß gemacht. Und auch die röhrenden Hirsche waren klasse. Beim nächsten Mal bekommen wir die Milchstraße auch wieder besser, hoffe ich. :huepfdreh:

    Viele Grüße
    Helmut

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