– eine fotografierende Rheinländerin im Vorgebirge mit GöGa & den Orienauten –

Eifelnächte

 

Was macht Frau des Nächtens, wenn der Himmel halbwegs klar ist und die Milchstraße zur Erde günstig steht und man obendrein am nächsten Tag nicht arbeiten muss ? Richtig, Frau schlägt sich die Nächte um die Ohren und fährt in Begleitung in die stockfinstere Eifel.  :green:  

Die Milchstraße ist in Deutschland im Sommer grundsätzlich besser zu sehen, da ihr Zentrum dann nicht unter dem Horizont steht und mittels speziellen Apps kann man genau sehen, an welchen Tagen (so ca. 2 pro Monat) sie am günstigsten steht, um sie zu fotografieren.  

In den letzten Monaten hat leider an besagten Tagen oft das Wetter nicht mitgespielt oder am nächsten Tag war Bürotag und so kam ein Ritt in die nächtliche Eifel nicht in Frage.

Nun waren die Bedingungen aber perfekt. Klarer Himmel und Wochenende ... da habe ich direkt beide Tage genutzt, um die Milchstraße im Bild festzuhalten.

Freitagabend bin ich mit Andreas losgezogen. Ziel war Wollseifen; eine ehemalige Ortschaft auf der Dreiborner Hochfläche in der Nähe der alten Ordensburg Vogelsang im Nationalpark Eifel, ca. 54 km von uns entfernt.

Wollseifen wurde am Ende des 2. Weltkrieges durch britische Streitkräfte geräumt, um den Truppenübungsplatz Vogelsang anzulegen, der 1950 dem belgischen Militär übergeben wurde. Innerhalb von 3 Wochen mussten die dort lebenden ca. 120 Familien ihre Häuser aufgeben und weichen.

Von der ehemaligen Ortschaft existieren nur noch die alte Schule, die alte Kirche, ein altes Trafo-Häuschen und eine kleine Kapelle. Alle Höfe fielen den dort stattfindenden Schießübungen zum Opfer. Ansonsten findet man noch ein paar Bauten, die dann vom Militär eigens zur Übung für den Häuserkampf gebaut wurden. Hier wurde 2001 auch für den Kosovo-Einsatz trainiert.

2006 wurde das Gelände aber wieder dem Nationalpark übergeben und der Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht.

Hier bei Wikipedia kann man noch etwas mehr über die traurige Geschichte und Räumung von Wollseifen erfahren.

Um 22 Uhr am Parkplatz angekommen, hieß es erst einmal ca. 22 Minuten laufen, um das auf einer Erhebung und mitten in der Pampa liegende verlassene Dorf zu erreichen ... im Dunkeln für den Einen oder Anderen schon etwas gruselig, denn man wird ständig von diversen Knack-, Raschel- und Tiergeräuschen begleitet.  :green:  

Von Zivilisation keine Spur ... die nächste bewohnte Ortschaft, die selbst so klein ist, dass sich dort um 18 Uhr spätestens die Bürgersteige eigenständig hochklappen und sich Hase und Igel gute Nacht sagen, liegt 4 km entfernt.

In Wollseifen angekommen, waren wir dann aber nicht allein. Eine kleine Gruppe Jugendlicher oder junger Erwachsener (das war im Schein meiner Taschenlampe jetzt nicht genau zu erkennen) hatte es sich auf einer Sitzgruppe an der alten Kirche gemütlich gemacht und genoss die Nacht.

Sie schienen friedlich und grüßten auf meinen Abendgruß freundlich zurück und waren auch sonst eine ruhige Gesellschaft, von denen man immer nur ein paar Wortfetzen gelegentlich mitbekam. Wir selbst hatten uns zum Fotografieren ca. 150 Meter entfernt mitten ins Feld gestellt.

Zuerst hatten wir leider genau dort, wo die Milchstraße gegen 23.25 Uhr richtig sichtbar werden sollte, noch Schleierwolken, die aber später dann Gott sei Dank verschwanden.

Allerdings ist mir an diesem Abend kein Bild von der Milchstraße gelungen, was mir wirklich gefällt. Ihr seht oben bei den beiden ersten Bildern nur die alte Kirche und ein paar der noch erhaltenen Militärbauten.

Im Normalfall steht meine jetzige Olympus meiner alten Spiegelreflex in nichts nach, aber das Rauschverhalten ist halt dann doch, Dank des kleineren Sensors, bei höheren ISO-Zahlen, die man bei der Milchstraßenfotografie braucht, wenn man keine Sternenspuren auf dem Bild sehen möchte, sichtbar schlechter, als bei einer guten DSLR, was man bei Bild 2 und 3 oben gut sehen kann. Bild 2 ist mit höherer ISO und meiner alten DSLR entstanden als Bild 3, das ich mit meiner Olympus gemacht habe.

Gegen 00.40 Uhr sind wir dann schließlich in Wollseifen wieder aufgebrochen und zurück ging es zu Fuß durch die stockfinstere Nacht Richtung Auto und um 2.30 Uhr lag ich letztendlich seelig in meinem Bettchen und konnte wenigstens noch 6 Stündchen schlafen.

Gestern Nachmittag hatte ich dann die spontane Idee, abends noch einmal in die Eifel zu fahren ... dieses Mal mit einem anderen Ziel.

Man muss schließlich ausnutzen, wenn das Wetter passt und die Milchstraße sichtbar ist.

Los ging es - dieses Mal mit dem GöGa - um 21.45 Uhr wieder Richtung Eifel mit dem Ziel "Aussichtsturm Weißer Stein". Dieser steht 70 km von uns entfernt im bekannten Ski-Gebiet der Eifel "Weißer Stein" direkt an der belgischen Grenze.

Vorteil ... man kann direkt dort parken und muss nicht noch durch die Pampa laufen.

Wir haben allerlei Getier im Scheinwerferlicht gesehen. Neben äsenden Rehen am Straßenrand, sahen wir einmal weitab von jeglicher Zivilisation (wir sind nur über Land gefahren) eine Wildkatze im Gras verschwinden und in einer kleinen Ortschaft lief uns ein Dachs über den Weg, der glaube ich - genau wie wir - sichtlich überrascht davon war, dass um diese nächtliche Uhrzeit da noch jemand auf den Straßen unterwegs war.

Leider wurden aus den 70 km dann - Dank einer Straßensperre - fast 90 km.  :augenroll:  

Aber vor Ort wurden wir dann entsprechend entschädigt.

Die Milchstraße war noch wesentlich deutlicher zu sehen, als am Vortag und mit dem Turm im Vordergrund gefiel mir das Motiv sehr. Da fahre ich bestimmt irgendwann noch einmal hin.

Ich war sehr schnell zufrieden mit meinen Fotos und so waren wir schließlich um 0.30 Uhr schon wieder auf dem Heimweg und um 1.30 Uhr im Bettchen.

Die langen Nächte haben dann allerdings ihren Tribut gefordert und so habe ich heute auch bis 10.45 Uhr geschlafen. Keine Ahnung, wann mir das das letzte Mal gelungen ist ggg.

In Zukunft werde ich wohl für die Astrofotografie wieder auf meine alte DSLR zurückgreifen ... wenn der GöGa da mitspielt, denn meine alte ist jetzt seine aktuelle Kamera. ;-)

Das nächste Mal wird dann hoffentlich der 08.09. sein ... ein Samstag ... hoffentlich spielt das Wetter mit.

Und im Oktober haben wir Gott sei Dank Urlaub ... da wäre es nämlich ein Dienstag.

So, jetzt hab ich für heute auch genug geschrieben. Ich werde auch langsam wieder müde und die Couch ruft laut nach mir. :-)

Habt noch einen schönen Restsonntag und eine angenehme Woche.

Eure

 

10 Antworten auf Eifelnächte

  • Deine Ausflüge haben sich doch gelohnt. Tolle Fotos.
    Ich sehe 4 Stück. Ist das richtig?
    Sorry die Frage, sonst hast du mehr ;-)
    Ich drücke euch die Daumen für klasse Wetter, damit sich die Nächtlichen Ausflüge auch weiterhin lohnen.

    Liebe Grüsse ♥
    kkk

  • Hallo Frauke,

    ja das war doch wieder super am Freitag Nacht.
    Diese Sterne und die Milchstrasse mit bloßem Auge sehen zu können hat schon etwas ganz, ganz besonderes.

    Dein Bericht ist mal wieder sehr schön geschrieben.
    Die beiden Bilder beim Aussichtsturm sind klasse. Die gefallen mir richtig gut.
    Schön wie du den Turm auch mit ins Bild integriert hast.
    Ich freue mich schon auf das nächste mal!

    Liebe Grüße
    Andreas

    • Huhu Andreas,

      ja, das war einfach wunderschön wieder. Wir müssten das eigentlich viel öfter machen. Muss ja nicht immer die Milchstraße mit drauf sein. Sternenhimmel mit schönem Beimotiv hat ja auch was. :-)

      LG Frauke

  • Großes Kino Frauke.Alle vier Bilder sind klasse, :huepfdreh:

  • Hallo Frauke,

    sehr schön beschrieben und klasse Fotos von der Milchstraße und dem Sternenhimmel. Da kann ich mich ja doch ein wenig ärger dass ich weg war :motz: . Aber im Urlaub war es auch schön und beim nächsten Mal bin ich wieder dabei :huepfdreh:
    Viele Grüße
    Helmut

  • Das ist ja fast wie bei uns auf dem Gelände des ehem. russischen Militärs. Und dann auch noch der Turm, fast wie bei uns.
    Mein Bruder war auch im Kosovo, 1999, ein halbes Jahr.
    Herrliche Aufnahmen sind dir gelungen liebe Frauke.
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

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