– eine fotografierende Rheinländerin im Vorgebirge mit GöGa & den Orienauten –
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Spaziergang in den Ville-Feldern

 

Der gestrige Tag war mal wieder ein schöner sonniger Tag, der lt. Wetterbericht, auch nicht zu heiß werden sollte. 26 Grad waren gemeldet und die könnte das Thermometer auch gut erreicht haben.

Ich bin eine Strecke bei uns durch die Ville-Felder spaziert, die ich bislang noch nicht gegangen bin.
6,7 km sind es geworden … natürlich mit Kamera. ;-)

Gestern habe ich mal wieder so richtig wahrgenommen, wie schön es bei uns doch ist. Irgendwie nimmt man das ja nicht so wahr, wenn man sonst fast ausschließlich mit dem Auto fährt.

In den Feldern kam ich an einem Gedenkstein vorbei, dessen Inschrift mir so gar nichts sagte, also habe ich mich „schlau“ gemacht und will euch die Bedeutung wiedergeben, da ich sie sehr interessant finde.

Hier erst einmal der Stein …

 

Zum Vergrößern wie immer anklicken …

 

Zunächst weist die eine Seite des Steines darauf hin, dass dieses Gebiet das ehemalige Allmendegebiet der Waldorfer Bauernschaft ist. Die Allmende ist eine Rechtsform gemeinschaftlichen Eigentums und das Wort kommt aus dem Hochmittelalter. So gehörte dieses Gebiet also früher gemeinschaftlich den Waldorfer Bauern. Gemeinschaftliches Eigentum … heute ja gar nicht mehr ohne vorprogrammierten Ärger möglich. ;-)

Wer noch mehr zur Allmende erfahren möchte, der kann das hier. Ist wirklich interessant.

Die andere Seite des Steines weist darauf hin, dass an dieser Stelle das Waldorfer Siechenhaus gestanden hat. In einem Siechenhaus wohnten früher gemeinschaftlich die an Lepra erkrankten Dorfbewohner.

Solche Siechenhäuser waren während des ganzen Mittelalters und bis weit in die Neuzeit hinein verbreitet. In meiner näheren Umgebung sind sie auf der (Josefs-)Höhe bei Bonn, bei Uedorf, bei Godorf und, wie erwähnt, bei Waldorf, wo heute ein Gedenkstein an das ehemalige „Siechesmaar“ mahnt. Ebenso wie das Roisdorfer Sieches lagen diese Häuser aus Furcht vor Ansteckung mit Lepra außerhalb der bewohnten Ortschaften und zwar an belebten Straßen, da dort genügend Leute vorbeikamen, bei denen man milde Gaben einsammeln konnte. Im Falle unseres Sieches war es die vielbefahrene Straße, die von Bonn über Düren nach Aachen führte und die vielen als „Heerweg“ bekannt ist, was soviel wie „hehrer“, also bedeutender Weg heißt. Ein Zweig dieser Straße führt im Verlauf der heutigen Bonner Straße von Bonn kommend als „Hohe Straße“ oder auch „Kayserstraße“ auf Bornheim zu, wo er sich mit einem anderen, von der Mondorfer Fähre ausgehenden Zweig vereinte. Das Sieches war dort gelegen, wo sich der „Heerweg“ mit dem von Alfter kommenden „Kölner Pfad“ kreuzte.

Meist hatten die Siechenhäuser die Form des Leprosengütchens, d. h. sie bestanden aus einer Gruppe von kleinen Einzelhäuschen der Kranken, einigen Wirtschaftsgebäuden und, wenn eigenes Betreuungspersonal vorhanden war, aus Wohnungen für Siechenknecht bzw. -magd. Hinzu kamen bisweilen eine Kapelle mit Friedhof, ein Garten und ein Stück Ackerland, das von den noch kräftigen Siechen bearbeitet werden konnte. Die ganze Anlage war von einer Mauer umschlossen. Die durch eine besondere Tracht gekennzeichneten Kranken lebten so in fast klösterlicher Abgeschiedenheit, ohne ärztliche Betreuung – die Krankheit galt als unheilbar – bis der Tod sie von ihrem Leiden erlöste. Ihre Einkünfte bezogen die Siechenhäuser vorwiegend von der allgemeinen Wohltätigkeit. Zu frommen Stiftungen und Schenkungen kamen Gelder aus Bettelgängen und aus dem stets vorhandenen Opferstock. Nicht selten kamen die Häuser sogar zu einem gewissen Vermögen, so dass es auch für Gesunde erstrebenswert sein konnte, dort unterzukommen. Eine Untersuchung der Bewerber war daher notwendig, um Simulanten abzuwehren. Mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts hatte jedoch der Aussatz seine Bedeutung als Volksseuche verloren. Die Siechenhäuser wurden damals meist auf Befehl des Landesherren abgerissen, zumal man fürchtete, dass sich in ihnen allerhand Räuberbanden einnisten könnten. Auch das Roisdorfer Sieches dürfte spätestens damals aufgegeben worden sein. Lediglich sein Kapellchen mit dem Opferstock überdauerte.

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

So, jetzt aber zu vielleicht schöneren Ansichten der gestrigen Runde. ;-)

 

Auch hier die Bilder wie immer zum Vergrößern anklicken !

 

Ich hoffe, der kleine Rundgang rund um unsere Gemeinde hat euch gefallen.

Habt noch einen schönen Sonntag.

Eure

 

 

10 Antworten auf Spaziergang in den Ville-Feldern

  • Wunderschöne Naturaufnahmen sind das wieder, liebe Frauke. Nur die gemeine Wespe bräuchte ich nicht – zwischen diesen Viechern und mir wird wohl niemals eine Freundschaft entstehen.

    Dir wünsche ich tollen Sonntag und wie ich Dich kenne, hast Du Dich bei dem Kaiserwetter bestimmt gleich wieder auf die nächste Fototour begeben.

    Alles Liebe,
    Kerstin

    • Huhu Kerstin (TG),
      naja, wenn die Wespen an den Blüten zu Gange sind, lassen sie sich von Menschen nicht wirklich stören. Lästig werden sie nur, wenn sie mit einem Marmelade & Co. teilen wollen. ;-)
      Und jaaaaa … natürlich war ich bei dem Wetter auch gestern unterwegs *ggg*.
      Aber davon berichte ich morgen oder übermorgen. Muss noch Bilder sichten. ;-)
      Eine schöne Woche für dich.
      LG Frauke

  • ……. sehr hübsche Kartoffelkäfer.

  • Es sieht nach einem vollkommen gelungenen Spaziergang aus. Tolle Bilder, einfach schön anzusehen. Das Wetter heute lädt ja weniger zum spazieren gehen ein.

    LG
    Malina!

    • Huhu Malina,
      es war ein sehr gelungener Spaziergang. :-) Das Wetter wird nach dem gestrigen Regentag ja auch wieder besser und am Wochenende leiden wir wieder unter zuviel Hitze. :-(
      LG Frauke

  • Schöne Foddos hast du uns von deinem Rumdgang mitgebracht :nicken:
    Vielen Dank :-)
    Schnurrer Engel und Teufel

  • oh, wie schön! ein toller rundgang und höchst interessante informationen zu den siechenhäusern. danke dir!
    liebe grüße!

    • Huhu Ina,

      meine Güte … du hast ja einen Kommentiermarathon hinter dir *lach*. Dafür erst einmal vielen lieben Dank ! :-)
      Ja, das mit den Siechenhäusern kannte ich auch nicht … echt interessant unsere eigene Geschichte. Man befasst sich eigentlich viel zu wenig damit.

      LG Frauke

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