– eine fotografierende Rheinländerin im Vorgebirge mit GöGa & den Orienauten –
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Siam & Co. – die etwas anderen Katzen

 

Der Charakter der Orientalischen Katzen

Da ich genau wie bei Hunden, die rassespezifischen Charaktereigenschaften wesentlich wichtiger finde als die Optik eines Tieres (schließlich sollte Frauchen zu Katz / Hund passen), gehe ich zunächst auf den wohl einzigartigen Charakter der Orientalen ein. Denn so schön wie diese Katzen sind, man sollte wissen, auf was man sich bei Orientalen einlässt. Und ich meine wirklich einlässt !!! Ich persönlich kenne keine weitere Katzenrasse mit den typischen Wesenszügen der Orientalen. Die Haltung von Orientalen ist mit der Haltung anderer Rassen nicht zu vergleichen. Aus ihrem Wesen heraus ergeben sich sehr viele Pflichten und Dinge, auf die man als Halter achten muss, damit es seinem Vierbeiner gut geht und er selbst auch Freude an ihm hat und er nicht zur Last fällt.

Man kann wohl sagen, dass Orientalen in allem was sie tun meist sehr extrem sind. Das hat Vor- aber auch Nachteile. Orientalen sind nicht für Jedermann(frau) geeignet ……. was der eine so sehr an einem Orientalen schätzt, wird dem anderen schnell lästig.

Und hier kommen wir zum ersten wichtigen Punkt, den man beachten sollte, wenn man sich einen Orientalen anschaffen möchte. Orientalen sind sehr soziale Tiere, die den Kontakt zu Artgenossen brauchen, wie die Luft zum Atmen. Sicherlich gibt es Ausnahmen, die lieber Einzeltiere sein möchten, aber diese sind bei den Orientalen wirklich Ausnahmen. Möchte man einen Orientalen alleine halten, sollte man selbst nicht berufstätig sein und die meiste Zeit zu Hause verbringen und stellen Sie sich schon einmal darauf ein, dass der Orientale einen großen Teil dieser Zeit für sich beanspruchen wird, wenn er keinen kätzischen Partner hat. Und diese viele Zeit hat man meist einfach nicht. Der Haushalt will gemacht, die Familie versorgt und Einkäufe etc. erledigt werden. Orientalen sind sehr temperamentvolle aber auch intelligente Katzen, die, wenn sie nicht gerade zwischendurch schlafen, die Wohnung ordentlich durcheinander wirbeln können. Sie wollen geistig und körperlich täglich gefordert werden. Allein an der körperlichen Fitness scheitert es meist, wenn Sie sich vorstellen, dass sie demnächst täglich mindestens 1 bis 2 Stunden damit verbringen, nur mit der Katze zu spielen. Dazu kommen dann noch die täglichen Schmusestunden und glauben Sie mir, dass können ganz schnell STUNDEN werden, denn das ist der nächste ganz wichtige Punkt, den ein Orientale ausmacht. Orientalen sind in der Regel (Ausnahmen gibt es natürlich immer zwischendurch) sehr anhängliche und verschmuste Tiere. Zeitweise können sie damit sogar lästig werden, denn wenn ein Orientale sich in den Kopf gesetzt hat, dass nun Schmusezeit ist, dann meint er dies auch so. Tja, sie haben gerade was anderes vor ? Spülen, Putzen etc. ? Machen Sie sich darauf gefasst, sie putzen dann nur ungestört, wenn sie ihn oder sich in dieser Zeit einsperren, denn sonst wird er alles katzenmögliche unternehmen, um zu seiner Schmusestunde zu kommen. Vor / in die Füße rennen, natürlich laut schreiend (noch eine weitere Besonderheit der Orientalen, dazu gleich noch mehr), wird er sie begleiten, womöglich sogar versuchen, es sich dabei auf ihrer Schulter bequem zu machen, Hauptsache er ist dabei.   

Oder sie putzen in Zukunft nur noch dann, wenn ihr Vierbeiner gerade zu schlafen geruht. ;-)   Sie sehen, wenn sie sich einen einzelnen Orientalen zulegen möchten, wird ziemlich viel Arbeit auf sie zukommen.

Kann man einem einzelnen Orientalen diese Zeit nicht bieten, ist es meist so, dass diese Tiere langsam aber sicher verkümmern. Ihnen fehlt die für sie so wichtige enge Beziehung zu einem Partner. Aus diesem Grund ist die Haltung mindestens zweier Katzen immer zu bevorzugen. Die Tiere spielen und kuscheln schon sehr viel miteinander, sodass sie nicht ganz soviel Zeit täglich investieren müssen, um ihren Orientalen glücklich zu machen. Es ist jedoch keinesfalls so, wie es zum Beispiel bei Heimvögeln oft zu beobachten ist, dass der innige Kontakt zum Menschen abreißt, wenn ein zweites Tier im Haushalt lebt. Katzen im allgemeinen schätzen über den Kontakt zu ihrem Artgenossen auch immer noch sehr den Kontakt zum Menschen. Sie müssen also nicht um die Gunst ihres Lieblings bangen. :-)

Nein, vielmehr haben sie nun zwei Katzen, die abwechselnd zwischendurch ihre Schmuseeinheiten fordern und denen sie beim vergnügten miteinander spielen und kuscheln zusehen können, was mir persönlich sehr viel Freude bereitet.

Und hier schon die nächste Besonderheit. Orientalen lieben es, dicht an ihren kätzischen Partner angekuschelt zu schlafen, es ist eher selten, dass sie es sich allein irgendwo bequem machen. Platz ist schließlich auf dem kleinsten Fleckchen. :-)

 

Und hier könnte schon das nächste Problem auftauchen. Dieses dicht an dicht ist bei den meisten Katzenrassen nicht die Regel und viele Katzen mögen das enge auf-/beieinanderliegen nicht. Sie gehen dann genervt ihrer Wege, wenn der Orientale kuscheln möchte. Hat man dann nicht genügend Zeit, neigt der Orientale dazu, depressiv zu werden und zu verkümmern. Ich spreche hier leider aus Erfahrung !

Ein Problem ist auch, dass die Orientalen sehr temperamentvolle Tiere sind und manche Katzenrassen mit ihrem Spieltrieb einfach überfordert sind.

Die beste kätzische Gesellschaft für einen Orientalen ist erfahrungsgemäß ein weiterer Orientale. Es ist nicht so, dass ein Orientale sich mit anderen Rassen nicht verstehen würde, ganz im Gegenteil, da es sehr soziale Tiere sind, verstehen sie sich auch mit anderen Rassen, aber eben durch ihre besonderen Eigenheiten, die nur ein Orientale mitbringt, fehlt ihnen oftmals etwas.

Erwähnen sollte man auch, dass ich im Laufe der Zeit, auch aus Erfahrungsberichten anderer Orientalenhalter, die auch andere Rassen zu Hause haben, feststellen konnte, dass Orientalen in einer Gruppe anderer Rassen oftmals zur Dominanz neigen und die Führungsposition in diesem Rudel beanspruchen. Ordnen sich die anderen Tiere unter gibt es hier aber keine Probleme.

Kommen wir nun zu einem weiteren Fakt, mit dem Sie rechnen können, wenn Sie einen oder eben mehrere Orientalen besitzen. Orientalen sind in der Regel sehr redselige Tiere. Ihre Stimmenvielfalt geht von Gurren, über Schnattern, quietschen, kreischen bis hin zu schreien. Sie lieben es, den ganzen Tag vor sich hin zu plappern und finden es klasse, wenn Frauchen / Herrchen antwortet. Die einen mehr und die anderen weniger … aber rechnen Sie besser mit mehr, denn Sie wissen nie, wie sich ein junger Orientale entwickeln wird. :-)

Sie setzen ihre Stimme auch dann gern ein, wenn sie etwas wollen und es nicht schnell genug geht bzw. man dem Wunsch eigentlich gar nicht nachgehen möchte. Werden sie nicht erhört, können sie ziemlich laut werden, um ihren Willen durchzusetzen. Orientalen haben ein sehr stimmgewaltiges Organ und seien sie versichert, ihr Nachbar wird es je nach Wandstärke auch schon mal hören, wenn dort nicht gerade der Fernseher oder das Radio läuft. Je nach Ausdauer ihres Exemplares und je nach Tages- bzw. eher Nachtzeit werden Sie dem Wunsch ihres geliebten Vierbeiners ganz schnell entsprechen, auch wenn Sie sich eigentlich Gegenteiliges vorgenommen hatten. :-)

So, das wären wohl die wichtigsten charakterlichen Merkmale, die man kennen sollte, wenn man sich einen oder mehrere Orientalen zulegen möchte, denn sie sind schon etwas Außergewöhnliches. Entweder man liebt sie oder man mag sie nicht ! Manch einer mag jetzt denken … sie übertreibt … ich kann nur sagen wie ich die verschiedensten Orientalen (nicht nur die eigenen) seit Jahren erlebe und hinter meinen Aussagen steht als Liebhaber kein Verkaufsgedanke eines Züchters … mir liegt es lediglich daran, dass Katz und auch Mensch sich wohlfühlen, wenn sie zusammenfinden. Viele Züchter reden Interessierten “nach dem Mund”, denn sie wollen Tiere verkaufen und Geld einnehmen. Selbstverständlich schere ich dabei nicht alle Züchter über einen Kamm. Es gibt durchaus verantwortungsvolle Züchter, die sich auch ihrer Pflichten bewusst sind, wenn es darum geht, die richtigen Halter für ihre Tiere zu finden und die Rasse gesund zu erhalten, auch wenn diese Züchter leider immer seltener werden. Hinz und Kunz züchtet mittlerweile ohne nötiges Fachwissen und vor allem Verantwortung, die damit verbunden ist … nur weil man sich erhofft, mit einer Zucht Geld zu machen. Und Geld macht man mit einer Zucht nur, wenn man bei der Aufzucht und Haltung an allen Ecken und Enden spart und dies auf Kosten der Rasse. Da wird munter miteinander verpaart ohne Wissen um bekannte Krankheiten in einigen Linien … Hauptsache es kommen Kitten dabei heraus, die man verkaufen kann. Und leider wird dies heute auch munter unter Züchtern praktiziert, die Vereinen angeschlossen sind und mit Papieren züchten.

 

Die Optik der Orientalischen Katzen

Die fünf Rassen, die zu den Orientalen gezählt werden, sind die Siam (die wohl bekannteste), die Orientalisch Kurzhaar, die Balinese, die Orientalisch Langhaar (auch Javanese oder Mandarin genannt) und mittlerweile auch die nackte Variante die Peterbald.

Es handelt sich hierbei eigentlich um ein und dieselbe Rasse, jedoch werden sie je nach Felllänge und Fell- und Augenfarbe mit einem anderen Namen bezeichnet. Der Charakter der Rassen ist jedoch identisch.

Dies kommt auch in der Hundezucht bei einigen Rassen vor. Ein Beispiel wäre der Tervueren (brauner langhaariger belgischer Schäferhund) und sein Bruder der Groenendael (er unterscheidet sich zum Tervueren nur in seiner Farbe … er ist nämlich schwarz). Beide Rassen können miteinander verpaart werden und je nach Eltern können sowohl braune als auch schwarze Welpen… also Groenendaels und Tervueren in einem Wurf fallen.

Genauso verhält es sich mit den Orientalen. Alle fünf Rassen dürfen untereinander verpaart werden und je nach Eltern können in einem Wurf Kitten mehrerer Rassen zur Welt kommen.
Da ich mich mit der erst relativ jungen Rasse Peterbald nicht wirklich auskenne und befasse, beschreibe ich nachstehend lediglich die bekannteren Vertreter der Orientalenfamilie.

Die Orientalen zählen zu den Schlankkatzen. Sie stehen auf hochbeinigen Läufen und ihr Körper ist grazil und langgestreckt, dabei jedoch äußerst muskulös. Orientalen haben keine Unterwolle, sodass sie in der Regel weniger haaren als andere Katzenrassen, jedoch dadurch natürlich auch wesentlich schneller abkühlen. Sie kommen ursprünglich nun einmal aus einem warmen Land (Siam, heutiges Thailand), wo Unterwolle mehr als unnötig ist.

Die Hauptunterschiede innerhalb der Orientalen sind Augen- und Fellfarbe und die Fellbeschaffenheit. Da wären die Pointvarianten Siam und Balinese und die vollgefärbten Varianten Orientalisch Kurzhaar und Orientalisch Langhaar.

 

Siamesen & Balinesen

Zum einen gibt es die wohl bekannteste Vertreterin der Orientalen … die Siamkatze. Sie ist kurzhaarig und ihr Fell weist die typische Pointfärbung auf, welche auf Teilalbinismus basiert. Die weniger durchbluteten Stellen ihres Körpers sind dunkler gezeichnet als der übrige Körper. Dies sind die Ohren, die Stirn-/Schnauzenregion, der Schwanz und die Pfoten/Beine. Pointkatzen, egal welcher Rasse sie angehören, haben grundsätzliche blaue Augen. Die Balinese unterscheidet sich von der Siam lediglich durch ihr halblanghaariges Fell.

Es gibt die Siamkatzen und die Balinesen heute in vielen verschiedenen Pointfarben. Die bekannteste ist wohl die seal-point (schwarze Points). Darüber hinaus gibt es noch blue-point (blaue Points), chocolate-point (schokofarbene Points), lilac-point (fliederfarbene Points), cinnamon-point (zimtfarbene Points), fawn-point (sandfarbene Points), red-point (rote Points), creme-point (cremefarbene Points), tortie-point (die normalen Pointvarianten enthalten zusätzlich einen Rot-/Cremeanteil). Diese Farbvarianten gibt es mittlerweile mit und ohne zusätzlichen Weißanteil oder Silberanteil. Die kurzhaarigen Pointtiere mit Weißanteil tragen den Namen Seychellois. Daneben gibt es auch noch die etwas selteneren ganz weißen Vertreter, die Foreign White genannt werden, die Caramel-Point und die Apricot-Point, die durch ein Gen für modifizierte Verdünnung entstehen.

Interessant ist, dass alle Pointtiere, egal welcher Rasse sie angehören, ganz weiß auf die Welt kommen und sich die Points erst im Laufe der ersten Wochen zeigen. Allerdings dauert es bis zu drei Jahren bis die vollständige Färbung der Katze dann abgeschlossen ist.

 

Siamese
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2013-04-FCa-0107-Siamese-blue-tabby-point

 

Balinese
lilac-tabby-point

2006-0006-Balinese-lilac-tabby-point

 

Kurz- & Orientalisch Langhaar

Dank intensiver züchterischer Bemühungen gibt es die Siamkatzen und Balinesen heute nicht nur in den typischen Pointfarben, sondern es gibt sie auch voll durchgefärbt. Die Farbe der Points erstreckt sich also über den ganzen Körper. Die einfarbigen kurzhaarigen Tiere nennt man Orientalisch Kurzhaar und die einfarbigen halblanghaarigen Tiere Orientalisch Langhaar (auch Javanese oder Mandarin genannt). Neben der Vollfarbe ist der Hauptunterschied die Augenfarbe. Sie ist bei den durchgefärbten Tiere nicht blau wie bei der Siam, sondern grün. Auch bei Orientalisch Kurzhaar und Orientalisch Langhaar gibt es eine Vielzahl an Farben. Das wären ebony (schwarz), blue (blau), havana (dunkelbraun), lavender (ist das gleiche wie lilac, fliederfarben), cinnamon (zimtfarben), fawn (sandfarben), red (rot), creme (creme) und tortie (schwarz-rot, blau-creme, braun-rot, fliederfarben-creme, zimtfarben-rot, fawn-creme).

 

 Orientalisch Kurzhaar
black-ticked-tabby

2010-0011-Orientalisch-Kurzhaar-black-tabby

 

 

Orientalisch Langhaar
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 2014-05-FCa-0029

 

 

 

Allgemein

Zusätzlich gibt es alle Vertreter der Orientalen heute auch als Tabbys (inkl. Zeichnung innerhalb der Points bzw. bei durchgefärbten Tiere auf dem ganzen Körper). Es gibt sie mit Streifen (mackerel-tabby), mit Punkten (spotted-tabby), mit Räderzeichnung (classic-tabby oder blotched genannt) und ticked-tabby mit und ohne Silber.