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4 Stunden und 45 Minuten …

… und das ganze Hab und Gut meiner Mama war Geschichte.

Bis gerade eben war ich eigentlich noch ganz gut drauf, aber jetzt, wo ich diesen Post hier schreibe und mir die Ereignisse des Tages und dazugehörige Bilder so durch den Kopf gehen lasse, da kommen unweigerlich die Tränen.

Es scheint, als wäre mir gerade erst richtig begreiflich geworden, dass sie nicht mehr da ist und nicht mehr zurückkommen wird. :heul:  

Auch, wenn ich mich an ihrem Totenbett von ihr verabschiedet habe, so ist es immer noch so unwirklich. Auch scheint meint Zeitgefühl völlig durcheinander. Sie ist noch nicht ganz 4 Wochen tot und mir kommt es vor, als wäre seitdem eine Ewigkeit vergangen. Vielleicht schiebe ich unbewusst das Thema so weit von mir, dass es eine normale Reaktion meines Gehirns ist … ich weiß es nicht.

Nicht nur ihre Kleidung und Dinge, die sie sich im Laufe der Zeit mal so angeschafft hat, sondern auch Dinge, mit denen ich groß geworden bin, gibt es nun nicht mehr.

Den großen Wohnzimmerschrank mit Gläsern und einem guten Kaffeeservice und anderen diversen Dekostücken, gab es schon, als ich geboren wurde. Ich habe es geliebt, als Kind die ganzen Schubladen und Fächer zu durchstöbern.

Am massiven Wohnzimmertisch (diese länglichen mit Kacheln in der Mitte, die alle früher hatten) habe ich mir als Vierjährige dermaßen den Kopf angehauen, weil ich mich beim Spielen immer weiter im Kreis gedreht habe, weil ich es lustig fand, einen Drehwurm zu bekommen. Ich habe das Gleichgewicht verloren und knallte mit dem Kopf gegen eine Ecke des Tisches. Ich bekam eine Gehirnerschütterung, die zuerst unbemerkt blieb. Am nächsten Tag im Kindergarten färbte sich mein Gesicht rund um die Augen plötzlich in allen schillernden Farben und die Erzieherinnen dachten zunächst, ich hätte versucht, mich zu schminken. Ich kann mich daran erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Und nun … alles weg.

Aber das Leben geht weiter und ein neuer Zyklus hat gerade begonnen. Denn während ich hier sitze, höre ich plötzlich ein mir sehr vertrautes Geräusch, was mir jedes Mal aufs Neue Gänsehaut bereitet. Unglaublich, aber wahr … gerade sind die ersten Kraniche über unser Haus hinweg gezogen.  :panik: Ab in Richtung Norden. Dabei ist heute erst der 05. Januar … Wahnsinn !!! Im letzten Jahr flogen die ersten am 13. Februar Richtung Sommerbrutgebiete über uns hinweg. Aber der bislang viel zu milde Winter treibt die Tiere schon zurück. Aber sie werden wohl noch eine längere Zeit an den Küstengebieten verbringen, bis sie schließlich über das Meer fliegen werden, denn nicht überall ist es so warm, wie im Westen. Selbst Deutschland ist zur Zeit ja mal wieder zweigeteilt … Gott sei Dank nur, was die Temperaturen angeht. Westlich herrlichen Plusgerade und je weiter man Richtung Mitte und Osten fährt, umso kälter wird es.

So, jetzt muss ich mich erst einmal etwas beruhigen.

Ein Katzi zum Kuscheln, eine warme Decke und das Sofa wären nicht schlecht dafür und ich denke, das lässt sich alles einrichten.

Eure gerade sehr traurige

 

14 Antworten auf 4 Stunden und 45 Minuten …

  • Die Erinnerungen bleiben, auch wenn viele Gegenstände verschwunden sind. Mach dir einen gemütlichen Abend.

  • Du hast es geschafft liebe Frauke und nun beginnt die Zeit, alles zu verarbeiten. Die Erinnerungen werden bleiben, sie kann uns keiner nehmen. Manche Dinge verdrängen wir, andere rufen wir uns täglich in Erinnerung. Ich habe den Tod meines Vaters lange verdrängt, jahrelang. Ich wollte nicht darüber nachdenken, er wurde gerade mal 60 Jahre. Und auch heut noch, 11 Jahre später, muss ich weinen beim Gedanken an ihn. Dabei hatten wir am Ende gar keinen engen Kontakt mehr, weil meine Eltern geschieden waren. Doch kurz vor seinem Tod besuchten wir ihn noch und ich sehe ihn heut noch an der Straße stehen und zum Abschied winken.
    Mein Stiefvater, von uns Mädchen nicht innig geliebt, starb dann auch schon mit 68. Als er aus dem Pflegeheim abtransportiert wurde, da läuteten gerade die Kirchglocken. Es war 17 Uhr. Und obwohl das nun auch schon wieder fast 8 Jahre her ist, bekomme ich heut noch jedes Mal Gänsehaut, wenn die Glocken läuten. Meist bin ich um diese Zeit mit Johnny unterwegs und höre sie. „Es ist fast wie ein Fluch“ meinte meine Mutti mal (die Ehe war nicht glücklich).
    So hat jeder seine Erinnerungen. Ich wünsche Dir nur gute.
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

    • Huhu Kerstin (Träumerle),
      ja, geschafft. Ich glaube, jetzt wird es stetig bergauf gehen.
      Verdrängen ist nie gut, aber manchmal macht der Körper es automatisch und man merkt es gar nicht mal. Hatte auch sehr lange mit dem Tod meines Vaters zu kämpfen damals. Bestimmt 10 Jahre lang bekam ich das nicht so richtig in den Griff. Hatte allerdings damit zu tun, dass ich mich von ihm vorher nicht verabschieden konnte. Er ist auch recht jung mit 51 schon gestorben. :-(
      Du hast aber auch ein volles und nicht so gutes Erinnerungspäckchen zu tragen. Ich hoffe, das gibt sich irgendwann auch einmal.
      Hab ein schönes Wochenende.
      LG Frauke

  • Es ist ein neues Kapitel heute eröffnet worden. Eins ohne Eltern, Familie.
    Du beginnst eine neue Zeit und da ist es ganz natürlich das Tränen rollen.
    Das macht gar nichts und jeder verarbeitet das anders. Das alles ist Trauerbewältigung.
    Jedem auf seine Art.
    Du hast entschieden alles soll weg und so ist es nun.
    Erinnerungen bleiben und es kommt der Tag da denkst du wieder mit Freude an deine Kindheit, Jugend, der Sprung zum Erwachsen werden/sein.
    Das alles hat deine Mutter mit geprägt.
    Sie wird immer in deinem Herzen bleiben, alles andere ist vergänglich.
    Ich drück dich mal ganz lieb ♥
    kkk

    • Huhu liebe kkk,
      ja, das ist es wohl und es ist an der Zeit.
      Ein paar Sachen von meiner Mama habe ich natürlich behalten. Aber das beläuft sich auf ihren Schmuck (die Ringe passen mir netterweise), Fotoalben und 2 Porzellanengel. Ansonsten hatten meine Mama und ich einen recht gegensätzlichen Geschmack. Möbel und Geschirr habe ich ja selbst. Was soll ich da eine zweite Auflage in den Schränken stehen haben, die dann sowieso nie jemand nutzt und nur Platz wegnimmt. Und so habe ich gesagt „alles weg“. Es fiel schwer, war aber die vernünftigste Variante.
      LG Frauke

  • Da schaue ich nach meiner langen Auszeit wieder bei Dir rein und möchte Dir alles Gute fürs neue Jahr wünschen und lese Deine traurigen Gedanken. Es tut mir sehr leid, dass es Dir nicht so gut geht, ich wünsche Dir viel Kraft alles zu verarbeiten und irgendwann wieder fröhlich in die Zukunft zu schauen.

    LG Soni

    • Huhu Soni,
      ja, ich habe eine recht turbulente und traurige Zeit hinter mich gebracht in den letzten fast 3 Monaten. Aber so ist es im Leben. Der Tod lieber Menschen gehört dazu, auch wenn man es bis dahin nicht wahrhaben möchte.
      Ich danke dir für deinen Zuspruch.
      LG Frauke

  • Liebe Frauke,

    die Erinnerungen bleiben in Deinem Herzen und ich glaube Dir gerne, dass Dir die Ereignisse des Tages heute nochmal die Kehle zugeschnürt haben. Katzen zum Kuscheln sind da jetzt genau das Richtige.

    Ich denk an Dich…

    Liebe Grüße, Kerstin

  • Ich schließe mich Ute an. Die Erinnerungen bleiben Dir. Es ist immer schwer das Hab und Gut eines Verstorbenen weg zu machen, aber das gehört dazu. Ich glaube, es ist auch eine Art von Trauerbewältigung – von Trauerarbeit. Man schwelgt noch einmal in Erinnerungen, findet vielleicht verloren geglaubtes plötzlich wieder und entdeckt kleine Schätze, von denen man bisher nichts wusste. Das war so bei der Wohnungsauflösung meiner Oma.
    Ich wünsche Dir trotz allem einen schönen Tag.

    LG
    Malina!

    • Huhu Malina,
      ja, die Erinnerungen bleiben, aber noch sind die der letzten Wochen im Krankenhaus noch viel zu dominant. Diese Bilder muss ich langsam vergessen … aber das dauert, weil es war doch eine sehr prägende Zeit.
      Und du hast Recht, die Wohnungsauflösung gehört zur Trauerbewältigung dazu und sie hat mir anscheinend erst den richtigen Anstoß dazu gegeben, ich habe dieses Erlebnis gebraucht, um wirklich damit beginnen zu können.
      LG Frauke

  • Ach, das tut mir so leid…ich musste gerade auch gleich wieder ein Tränchen verdrücken.
    Bei manchen Dingen kann man wohl auch nix anderes sagen, als dass man „einfach da durchmuss“…es it halt leider furchtbar schmerzhaft und traurig und der Schmerz lässt sich nicht lindern. Ehrlich – der Tod ist ein Arschloch! Ich kann ihn nicht leiden. Blödmann.
    Da hilft nur Weitermachen – und irgendwann wird es bestimmt leichter und die Traurigkeit tut nicht mehr ganz so weh.

    „Weitermachen“ ist doch gar keine so schlechte Maßnahme, finde ich ;)

    • Huhu Daniela,
      du hast Recht, man muss dadurch, egal ob es schön ist oder nicht. Aber das gehört zum Leben dazu und wir lernen auch durch solche schmerzlichen Dinge viel für das eigene Leben. Mir ist es zumindest so ergangen.
      Der Tod ist ein Arschloch … wunderbar ! :-)
      LG Frauke

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